
Nun schon zum zweiten Mal stürzen wir uns in das Abenteuer Kammweg. Aus unserer ersten Tour vor drei Jahren haben wir viel gelernt – und doch erstaunlich wenig mitgenommen. An einem herrlich sonnigen Sonntagmittag starten wir im Augustiner in Leipzig in unsere kleine Reise. Unser Weg wird uns in diesem Jahr bis nach Schöneck im tiefsten Vogtland führen. Diesmal sind wir nur zu zweit, denn Martin hat für diese Woche andere Pläne. Aber auch so sind wir ein eingespieltes Team, das gut miteinander – und auch einmal ohneeinander – unterwegs sein kann.
Nach einer kurzen Zugfahrt über Chemnitz nach Cranzahl steigen wir in die Fichtelbergbahn um, die uns nach Oberwiesenthal bringt. Im offenen Wagen schnaufen wir im Einklang mit der Dampflok durch das Erzgebirge und schrauben uns langsam hinauf in die höchstgelegene Stadt Deutschlands, wo wir unsere erste Nacht verbringen.
Am nächsten Morgen starten wir ausgeruht und mit leichtem Gepäck zur ersten Etappe nach Rittersgrün. Ein kurzer, aber knackiger Anstieg auf den Fichtelberg genügt, und die Pulsuhren springen über 100 bpm. Nach einem kurzen Fotostopp geht es mit beruhigtem Puls in den langen Abstieg Richtung Rittersgrün. Von da an dreht der Höhenmeterzähler an diesem Tag fast nur noch rückwärts. Langsam kommen wir in unseren Rhythmus, und jeder findet seinen Tritt. Abwechslungsreich wechseln sich Waldwege, gut ausgebaute Forststraßen und schmale Pfade entlang kleiner Bäche ab. Der Kammweg macht auch auf dieser Reise wieder einen hervorragenden Eindruck und wird seinem Ruf als Qualitätswanderweg mehr als gerecht.
Im Waldhotel in Rittersgrün ist inzwischen schon so etwas wie Routine eingekehrt. Nach einem Willkommensbier fliegen Wanderhose, Schuhe und Socken erst einmal zum Lüften auf den Bügel. Nach etwas Entspannung – in Rittersgrün sogar mit Sauna – geht es zum Abendessen und meist nicht viel später schon ins Bett. Ich würde sagen: Fast immer lagen wir vor 22 Uhr unter der Decke.
Der nächste Tag hält die anspruchsvollste Etappe der gesamten Tour nach Johanngeorgenstadt für uns bereit. Zwar ist sie rund drei Kilometer kürzer, dafür aber mit deutlich mehr Höhenmetern gespickt. Umso mehr freuen wir uns am Abend über den herzlichen Empfang in der Pension Schanzenblick. Das Schöne – und manchmal auch Traurige – am Kammweg und an dieser Art des Wanderns ist, dass man jeden Morgen wieder Abschied nimmt. Manchmal fällt das leicht, manchmal würde man gern noch einen Tag bleiben. Dann denke ich oft an das Lied aus meiner Kindheit: Hoch auf dem gelben Wagen. „Ich möchte ja so gerne bleiben, aber der Wagen, der rollt.“
Also rollen auch wir weiter – nach Weitersglashütte. Immer wieder streifen wir die tschechische Grenze. Nach den anstrengenden Anstiegen des Vortages fühlen sich auch die etwas geringeren Höhenmeter heute keineswegs leicht an. Von Weitersglashütte führt uns der Weg schließlich nach Mühlleithen. Tatsächlich endet hier eine der schönsten Etappen der gesamten Tour. Über weite Strecken wandern wir auf schmalen Pfaden durch verwunschene Wälder und über felsige Trampelwege. Hier macht das Wandern natürlich noch mehr Spaß als auf den breiten Forstwegen.
Auf der letzten Etappe zieht es uns schließlich nach Schöneck. Nach den ruhigen Tagen in kleinen Unterkünften mit wenig Trubel landen wir ausgerechnet am Ziel unserer Reise im IFA Ferienpark Schöneck – einem großen Hotel voller Menschen. Deshalb zieht es uns zum Abendessen lieber noch einmal hinaus. Wir landen in einer kleinen, aber feinen Gartenkneipe mit dem wunderbaren Namen Weiberzorn. Dort empfängt uns eine echte Wirtin, die ihr Herz auf der Zunge trägt und sich für einen Plausch gerne Zeit nimmt.
Schon am nächsten Morgen heißt es wieder: alles einpacken. Heute geht es mit großem Gepäck zum Bahnhof. Die Vogtlandbahn bringt uns zunächst nach Zwickau, anschließend geht es mit der S-Bahn zügig zurück nach Leipzig. Kaum zu glauben: In nur zwei Stunden ist man vom Vogtland wieder zu Hause. Das sollten wir eigentlich viel öfter machen.













































